{"id":214,"date":"2016-06-24T16:01:15","date_gmt":"2016-06-24T16:01:15","guid":{"rendered":"https:\/\/wp.rhythms-of-resistance.org\/?p=214"},"modified":"2024-08-22T08:09:11","modified_gmt":"2024-08-22T08:09:11","slug":"anarchy-order-without-leadership","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rhythms-of-resistance.org\/de\/2016\/06\/24\/anarchy-order-without-leadership\/","title":{"rendered":"Anarchie &#8211; Ordnung ohne Herrschaft"},"content":{"rendered":"<p>Warum wir die KTS verlassen und warum es jetzt zwei RoR-Gruppen in Freiburg gibt!<\/p>\n<p>Um Ger\u00fcchten vorzubeugen und Klarheit zu schaffen, haben wir beschlossen, diese Stellungnahme zu ver\u00f6ffentlichen:<\/p>\n<p>Als Gro\u00dfteil von SamBasta, wie sie bis vor wenigen Monaten bestand, bestehen wir, die Verfasser_innen dieses Textes, weiterhin als aktive Rhythms-of-Resistance (RoR) Band [1] . Allerdings verorten wir uns nicht mehr in der KTS. Ein Grund daf\u00fcr ist die Zuspitzung eines Konfliktes, der zu unwiderruflichem Vertrauensverlust f\u00fchrte. Wir verstehen die Hintergr\u00fcnde des Vorgehens von einigen, in SamBasta und in der KTS aktiven Menschen, gegen einen von uns, als gewollte Kampagne gegen einen &#8222;unliebsam&#8220; gewordenen Menschen, der Kritik an den Strukturen ge\u00e4u\u00dfert hat. F\u00fcr uns ist diese Rufmord-Kampagne ein Verhalten, das wir menschlich und politisch nicht tolerieren wollen. Unser Austritt aus der KTS ist ein politisches Statement und eine Konsequenz dieser Kampagne, denn wir wollen die dort herrschenden Zust\u00e4nde, Umgangsweisen und Hierarchien nicht weiter hinnehmen.<\/p>\n<p>Wir ziehen uns jedoch nicht ohne vorangegangene Versuche zur\u00fcck, Umgangsweisen und Machtstrukturen innerhalb der KTS aufzubrechen. Angefangen haben wir damit nach internen Diskussionen im Fr\u00fchjahr 2015 mit mehreren Workshops zur &#8222;Moderation von Plena und Konsensentscheidungen in Gruppen&#8220;. Einige von uns haben einen \u00e4hnlichen Workshop beim Netzwerkcamp im Sommer 2015 gegeben. Aus diesem Workshop ist die Arbeitsgruppe &#8222;AZ &amp; Konsens&#8220; entstanden. Die Gruppe setzte sich zusammen aus Teilnehmenden unterschiedlicher politischer Zusammenh\u00e4nge, viele in der KTS aktive menschen. Wie schon einige Gruppen vorher, hatte &#8222;AZ &amp; Konsens&#8220; sich zum Ziel gesetzt, die KTS wieder offener, horizontaler und einladender f\u00fcr viele Menschen zu gestalten. Aus \u00e4hnlichen Gr\u00fcnden wie wir jetzt, haben sich schon in der Vergangenheit verschiedene Gruppen aus der KTS zur\u00fcckgezogen. Einige wichtige Aspekte in der Zielsetzung von &#8222;AZ &amp; Konsens&#8220; waren die politische Diversit\u00e4t in autonomen R\u00e4umen, die Kritik an der Redekultur und der selektiven Blockadehaltung im Montagsplenum, sowie das Fehlen queerer und feministischer Gruppen im &#8222;Autonomen Zentrum&#8220; (AZ) Freiburgs. Wir unterst\u00fctzen diese Kritik und versuchen nach wie vor, die ihr zugrunde liegenden Werte zu reflektieren und in unserer politischen Praxis umzusetzen. Als Teil des RoR-Netzwerks, welches sich auf die PGA-Hallmarks [2] beruft, finden wir uns in der Zielsetzung von &#8222;AZ &amp; Konsens&#8220; wieder.<\/p>\n<p>Dass die Gruppe &#8222;AZ &amp; Konsens&#8220; explizit Menschen aufgrund ge\u00e4u\u00dferter Schutzbed\u00fcrfnisse von der Startphase einer Zukunftswerkstatt ausgeschlossen hat, kann mensch methodisch und taktisch hinterfragen und diskutieren. F\u00fcr uns ist diese Entscheidung insofern nachvollziehbar, da einzelne Personen in R\u00e4umen und Prozessen innerhalb des AZ\u2019s auf derart dominante Art Platz einnehmen, dass andere sich nicht mehr sicher genug f\u00fchlen, um ihre Meinungen, Bed\u00fcrfnisse oder \u00c4ngste zu \u00e4u\u00dfern. Um eine offene Diskussion ohne Angriffe und Dominanzverhalten zu erm\u00f6glichen, wurde entschieden, einen tempor\u00e4ren Ausschluss einzelner Personen in Kauf zu nehmen, um einen gesch\u00fctzten Raum zu schaffen. Ein Schutzbed\u00fcrfnis wurde hierbei h\u00f6her gewertet als die volle Transparenz w\u00e4hrend des Startprozesses der Zukunftswerkstatt. Die fehlende Legitimation durch das Montagsplenum wurde kritisiert und das Vorgehen als &#8222;Angriff auf die KTS &#8211; Strukturen&#8220; verurteilt. Die Kritik als solche wurde dadurch \u00fcberwiegend ignoriert. Ein Hinterfragen des eigenen Verhaltens und der eigenen Rollen wurde somit umgangen. Auch die &#8222;Amtsenthebungen&#8220; der an der &#8222;AZ &amp; Konsens&#8220; Gruppe Beteiligten gleicht einem schlechten Schauprozess und verdeutlicht die Hegemonien in der KTS. Statt politischer Diversit\u00e4t strebt unserer Ansicht nach eine gef\u00fchlte Minderheit eine Gleichmachung an. Demnach f\u00e4llt raus, wer und was nicht auf Linie zu bringen ist. Das sind Verhaltensweisen, die wir in einem autonomen Raum nicht w\u00fcnschen und dulden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem sehen wir die Distanzierung von den verbliebenen &#8222;SamBastas&#8220; als notwendig an, da sie tragende Rollen in der Zuspitzung des Konfliktes gespielt haben. Neben dem Vertrauensverlust ist uns im Rahmen des Konfliktes klar geworden, dass es kontr\u00e4re Auffassungen vom Umgang miteinander (fehlende Achtsamkeit, Informationspolitik, etc.) und den politischen Zielen innerhalb der Band gab. Wir kritisieren das Vorgehen der in &#8222;SamBasta&#8220; Verbliebenen, ohne R\u00fccksprache mit dem Rest der Gruppe einen Neueinsteiger_innen Workshop zu organisieren und somit ohne weitere Absprache den Namen &#8222;SamBasta&#8220; f\u00fcr sich zu beanspruchen.<\/p>\n<p>Was wollen wir?<\/p>\n<p>Von einem autonomen Raum und unserer Bezugsgruppe w\u00fcnschen wir uns gemeinsame Politik, die sich durch Selbstreflexion weiterbringt, Rollenverhalten hinterfragt, sowie einen offenen und sicheren Raum f\u00fcr Kritik und Austausch auf Augenh\u00f6he bietet. Wir w\u00fcnschen uns linksradikale Politik mit vielen m\u00f6glichen Ans\u00e4tzen. Aktuell hingegen haben wir den Eindruck, dass es eine &#8222;unsichtbare Linie&#8220; gibt, die von einigen Wenigen gezogen wird und an der die &#8222;politische Richtung der KTS&#8220; bzw. deren Gruppen ausgerichtet wird. Wir w\u00fcnschen uns eine Stimmung im AZ, die empathisches Miteinander erm\u00f6glicht und kritisches Denken f\u00f6rdert. Gleichzeitig sehen wir ein AZ als einen Lernraum, in dem wir miteinander Erfahrungen teilen k\u00f6nnen und anti-autorit\u00e4res Handeln erproben k\u00f6nnen. Wir w\u00fcnschen uns konsensuelle Entscheidungsfindungen auf Grundlage von Argumentation und Diskussion. Dazu braucht es Bereitschaft zum Konsens. Wenn Polemik, Drohungen und Vorw\u00fcrfe der rationalen Argumentation entgegenstehen, dann l\u00e4uft etwas schief! Wir lehnen autorit\u00e4re Zus\u00e4mmenh\u00e4nge ab, erst recht in der Linksradikalen. Wir brauchen keine Chefs und auch kein Mackertum! Wir verurteilen die aktive Verteidigung von Machtpositionen! Es ist nicht leicht, ein hierarchiefreies Miteinander konsequent zu leben, aber wir m\u00f6chten uns dem ann\u00e4hern.<\/p>\n<p>In diesem Sinne w\u00fcnschen wir uns auch einen verst\u00e4rkten anti-patriachalen Diskurs f\u00fcr Freiburg und mehr pro-feministische Praxis in der sogenannten anarchistischen Szene. Au\u00dferdem m\u00f6chten wir mehr Vernetzung, Begegnung und Kooperation mit unterschiedlichen politischen Gruppierungen. Statt destruktiver innerlinker Kleinkriege w\u00fcnschen wir uns eine gemeinsame und konstruktive Suchbewegung und Praxis. Dazu m\u00fcssen anscheinend neue R\u00e4ume geschaffen und bestehende reformiert werden. Unserer Meinung nach m\u00fcsste sich dazu in der KTS einiges grundlegend \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Wir sind betroffen \u00fcber die Geschehnisse, die weit in pers\u00f6nliche Bereiche hineinragen. Auch ist es ein Armutszeugnis, dass sich immer weniger Menschen und Gruppen im AZ wohl f\u00fchlen. Aus genannten Gr\u00fcnden brechen auch wir mit der aktuellen Situation in der KTS. Ein Raum, der die Partizipation verschiedener Menschen und Gruppen erm\u00f6glichen will, w\u00fcrde schlie\u00dflich auch eine horizontalere, breitere Selbstverwaltung zulassen. Jedoch sehen wir momentan zu gro\u00dfe H\u00fcrden f\u00fcr oben angesprochene W\u00fcnsche und Ziele.<\/p>\n<p>Trotz allem kommen wir gest\u00e4rkt aus diesem Prozess und freuen uns mit neuer Energie und einer gefestigten Gruppe bald wieder aktiv zu werden und unsere Utopien in die Realit\u00e4t umzusetzen.<\/p>\n<p>Wenn ihr Fragen zu diesem Text habt, schreibt uns gerne an: rorfrei@untenlinks.ch (Schl\u00fcssel auf Keyserver: 15E56E44\/24.6.16). Diese neue Kontaktadresse darf gerne in Eure Verteiler aufgenommen werden.<\/p>\n<p>Diskutiert diesen Text, macht euch Gedanken, hinterfragt und reflektiert, f\u00fchlt Euch angesprochen, verfasst Antworten und Kommentare, oder lasst es bleiben!<\/p>\n<p>Im Juni 2016 ehemals Sambasta RoR-Frei<\/p>\n<p>[1]\u00a0<a class=\"spip_url spip_out\" href=\"https:\/\/www.rhythms-of-resistance.org\/\" rel=\"nofollow\">https:\/\/www.rhythms-of-resistance.org\/<\/a>\u00a0[2]\u00a0<a class=\"spip_url spip_out\" href=\"https:\/\/www.nadir.org\/nadir\/initiat..\" rel=\"nofollow external\">https:\/\/www.nadir.org\/nadir\/initiat..<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum wir die KTS verlassen und warum es jetzt zwei RoR-Gruppen in Freiburg gibt! Um Ger\u00fcchten vorzubeugen und Klarheit zu schaffen, haben wir beschlossen, diese Stellungnahme zu ver\u00f6ffentlichen: Als Gro\u00dfteil von SamBasta, wie sie bis vor wenigen Monaten bestand, bestehen wir, die Verfasser_innen dieses Textes, weiterhin als aktive Rhythms-of-Resistance (RoR) Band [1] . Allerdings verorten &hellip; <a href=\"https:\/\/www.rhythms-of-resistance.org\/de\/2016\/06\/24\/anarchy-order-without-leadership\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eAnarchie &#8211; Ordnung ohne Herrschaft\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-214","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.rhythms-of-resistance.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/214"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.rhythms-of-resistance.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.rhythms-of-resistance.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rhythms-of-resistance.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rhythms-of-resistance.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=214"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.rhythms-of-resistance.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/214\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":478,"href":"https:\/\/www.rhythms-of-resistance.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/214\/revisions\/478"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.rhythms-of-resistance.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=214"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rhythms-of-resistance.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=214"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rhythms-of-resistance.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=214"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}